Hamsterrad vs. Schlafattacke

April 29, 2018 0 Comments
Hamster im Schlafsack (entdeckt bei pixabay)

Es gibt nichts gegensätzlicheres als die sinnlose Hektik vs. Tagesmüdigkeit oder Fatigue. Ist das wirklich so?

Manche Leute nennen sie den inneren Tremor, diese Unruhe in der man gefangen ist, wie in einem Hamsterrad. Gedanken irren durch den Kopf und finden keinen Ausgang. Wie ein Squashball sausen sie ziellos durch mein Gehirn. Diese innere Hektik lässt mich ruhelos und fahrig handeln, ja manchmal aggressiv auf wohlgemeinte Worte reagieren. "Lass mich in Ruhe!" möchte ich schreien. "Es ist eh schon so laut in meinem Kopf!"

Ich kann nicht innehalten, muss immer etwas tun und zwar gleichzeitig. Wenn ich zwischen den Aufgaben hin und her hetze, fühle ich mich am Ende des Tages wie gerädert - als wäre ich Marathon gelaufen - zwei Mal hintereinander, ohne Pause. Und ohne das Ziel zu erreichen. Das frustriert und deprimiert.

In diesen Phasen ist nachts an Schlaf nicht zu denken und die Tagesmüdigkeit überfällt mich mit dreifacher Wucht. Wenn ich die Chance habe, mich hinzulegen, wache ich nach einem ungesunden Schlaf auf und fühle mich, als wäre eine Elefantenherde über mich hinweg getrampelt. Wie ausgespuckt.

Neulich las ich von einer Studie, die einen Zusammenhang zwischen innerer Hektik und Schlafstörungen herstellte. Ist ja auch logisch. Wenn die Gedanken im Kopf herumhüpfen, keinen Ausweg finden und sich potenzieren... wer soll bei dem Krach schlafen können?

Meditation und autogenes Training bekommen dann eine ganz neue und äußerst sinnvolle Bedeutung.

Heute ist Welt Parkinson Tag

April 11, 2018 0 Comments

Ein Jahr ist vergangen, seit ich meinen Brief an Herrn Parkinson geschrieben und ihm einen Deal vorgeschlagen habe. Und wisst ihr was? Obwohl ich meinen Teil des Deals mehr oder weniger erfolgreich eingehalten habe...
 >>Ja, Herr Parkinson ICH habe mich wenigstens bemüht, dich zu umarmen!! <<
... hat er sich leider nicht daran gehalten! Aber ich gebe nicht auf und teile hier nochmal meinen Brief, um den Deal nochmal zu bekräftigen. So! Und nun kommst Du, Herr Parkinson!



Lieber Herr Parkinson,
Soso, morgen ist also dein großer Tag. Ein außerordentlich großer Tag. Du bist seit 200 Jahren als neurodegenerative Erkrankunganerkannt. 200 Jahre! Wow, das muss man sich mal vor Augen führen:Das sind zwei Weltkriege plus die industrielle Revolution und die Entdeckung des Sauerstoffs. Oder deutlich mehr als Michael J. Fox, Ottfried Fischer, Mao Tse Tung und Katherine Hepburn zusammen. 

Und du? Nach 200 Jahren bewegst du dich immer noch nicht vom Fleck und verrätst niemandem dein Geheimnis; woher du kommst oder warum es dich gibt. Meinst du nicht, dass es langsam Zeit wird, dich zu offenbaren? Das kann manchmal sehr befreiend sein.


Nun mal ehrlich: Ist es dir nicht langweilig, wenn um dich herum alles in ständiger Bewegung ist, wenn großartige medizinische Errungenschaften die Gesundheit voranbringen und du nur stumm auf der Stelle stehst wie ein störrischer Esel?

Du wirst entweder ignoriert oder gemobbt und selten umarmt. Du bist ein Außenseiter. Weißt du, ich schleppe dich tagtäglich mit mir herum. Ignoranz gibt mir manchmal ein gutes Gefühl. An besondersguten Tagen verhöhne ich dich sogar. Ich tanze dich fort, lasse dich weit hinter mir zurück. Dann drehe ich mich um und strecke dir die Zunge heraus. BÄÄÄHHH! Und weißt du was? Ich habe dabei gar kein schlechtes Gewissen. 


Manchmal fühle ich mich von dir getrieben. Ich muss heute so viel wie möglich erledigen und erleben, bevor du endgültig die Oberhand gewinnst und deine Bewegungslosigkeit mich im Griff hat. Dank der Medizin und Begleittherapien kann ich diesen Punkt noch eine Weile länger hinauszögern und meinen Beruf weiter ausüben, meinen Kindern ein normales Leben bieten.  


Ich versuche ja auch das Beste aus dir zu machen, das Gute in dir zu finden. Und manchmal glaube ich, dass es so etwas tatsächlich gibt.Denn ohne dich hätte ich nie so viele neue Menschen kennengelernt, die mir ans Herz gewachsen sind. Und ich hätte nicht so viel neues ausprobiert, mich kreativ ausgetobt. Ich schiebe nichts mehr auf die lange Bank und sehe die Welt anders, denn Gesundheit ist nicht selbstverständlich. Und dennoch, Herr Parkinson, könnte ich gut und gerne auf dich verzichten!

Also, gib dir einen Ruck und verrate mir dein Geheimnis. Das dürfte doch nach 200 Jahren drin sein!


Ich schlage dir einen Deal vor: Während du (kurz) darüber nachdenkstumarme ich dich und wünsche dir ... ja, was soll ich dir denn wünschen? Viel unGlück? Alles unGute? Gar nicht so leicht, wenn unsere Schicksale so eng miteinander verknüpft sind.  

Ach was solls: Genieße einfach die Aufmerksamkeit, die du morgen bekommen wirst.

Bis dann, sei umarmt (und denk an den Deal!)
May 

   

[Gastbeitrag] "Eine absolut eindringlich performte Lektion"

April 10, 2018 0 Comments
Ärzte und Patienten - Foto / Heino Sartor

Ich freue mich riesig! Meine Kollegin Barbara Wessel hat sich bereit erklärt, einen Gastbeitrag für Balance mit Schlagseite über unser Tanztheater "The Other Me" zu schreiben. Bevor ihr weiter lest solltet ihr wissen, dass sie sich bis zu dieser Aufführung noch nicht mit Parkinson auseinandergesetzt hat.

Was ist Parkinson? Und wie gehen Betroffene damit um, wenn sie die Diagnose bekommen? Mit dem Tanzprojekt "The Other Me" hat sich die Freeze'n'Flow Dance Company ein Thema vorgenommen, das alles andere als einen leichten Abend verspricht. Und trotzdem ist der Saal im Sprechwerk Hamburg an diesem Donnerstabend bis auf den letzten Platz besetzt. Die Premiere war bereits am Vortag.
Den Anfang macht Ulli, ein an Parkinson erkrankter Tänzer. Ganz allein steht er im Rampenlicht. Als Dirigent führt er ein fiktives Orchester: furios und ohrenbetäubend - gleichzeitig still und lautlos. Er gibt alles, Hochspannung bis in die Fingerspitzen. Nach diesem eindringlichen Auftakt füllt sich die Bühne nach und nach mit allen Tänzerinnen und Tänzern: sieben an Parkinson erkrankte Frauen und Männer - die Freeze'n'Flow Dance Company und acht professionelle Gasttänzerinnen und -tänzer. Scheinbar unvereinbar die Fronten: Auf der einen Seite die Verzagten, die Rat suchenden, müde und erschöpft von der Suche nach der Frage: Was ist mit mir los? Auf der anderen Seite eine geschmeidige Armee von Gesundheitsexperten in weißen Kitteln, jung, stark und über jeden Zweifel erhaben. Eine Reihe weißer Stühle vor dunklem Blau, das im Nichts endet, markieren das Wartezimmer. Die Patienten nehmen Platz, bereit für die Diagnose.
Ingrid - Foto / linksmitterechts
Eine Stimme aus dem Off erzählt die Geschichte von Ingrid, stellvertretend für alle, die auf den einen - erbarmungslosen - Satz hinausläuft: "Sie haben Parkinson". Ruhig und vorsichtig ausgesprochen, doch er sitzt wie ein Peitschenhieb. Wie soll es nun weitergehen? Wie damit leben? Ein einsamer Lichtstrahl richtet sich auf May, noch unter dem Schock der Diagnose richtet sie sich auf, fällt wieder in sich zusammen, windet sich, fasst neuen Mut, bäumt sich auf. Getanzte Ohnmacht, auch für mich als Außenstehende tut sie weh.
Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Nun heißt es, der Wahrheit ins Auge zu sehen, mit der Krankheit umzugehen, sie anzunehmen, die Umwelt zu informieren. Die Götter in Weiß entledigen sich ihrer Kittel, darunter kommt nachtfalterblau, weich fließender Stoff zum Vorschein. Die so unterschiedlichen Gruppen mischen sich: Gesund und Krank tanzen miteinander, die Grenzen verschwimmen. Jeder findet sein Pendant - das „andere Ich“. Und über allen schwebt, ein Kopf größer, Tänzer Kelly, alle vereinend. Es wird Schulterschluss gesucht, Brücken werden gebaut, Wege mit der Krankheit, umzugehen. Jeder der Erkrankten kommt auf der Bühne zum Einsatz, findet seine Rolle, wird kreativ.
Zusammen - Foto / linksmitterechts
Morbus Parkinson, erfahren wir im Laufe des Abends, kann jeden treffen. Bei den meisten tritt die Erkrankung im Alter von 50 bis 60 Jahren ein, nur selten ist sie genetisch bedingt. Das sitzt. Keine Garantie für niemanden. Eine absolut eindringlich performte Lektion in Sachen Demut, ohne  anzuklagen. Und so hat die Vorstellung trotz allem auch etwas Tröstliches - und diese Botschaft von Choreographin Lena Klein und ihrem Ensemble ist angekommen: Es tut gut, sich zusammentun! Mehr als das. Am Ende stehen alle im Saal auf: Minuten lang brennender Applaus. Also, falls es eine weitere Auflage gibt von "The Other Me", unbedingt ansehen!

"Matcha!" - "Gesundheit!" (Der etwas andere Selbstversuch)

April 04, 2018 0 Comments

 Matcha. Klingt nach puttenkleen im Watt, nordisch gesprochen. Oder auf Hochdeutsch: Ordentlich rin in den Matsch! Und die Farbe erst: Dieses giftgrüne Pulver kann doch nicht gesund sein!
Ist es aber doch. Und gerade für uns Menschen mit Parkinson soll es eine fantastische Wirkung haben. Es entschlackt Schwermetalle, die nicht in den Körper gehören, wirkt gegen die Tagesmüdigkeit und vieles mehr.

Aber Matcha ist nicht gleich Matcha und überhaupt, was ist denn nun dieses giftgrüne Matcha-Zeug?
Tagesmüdigkeit war das Stichwort, das mich aufhorchen ließ, als Silvia Lehmann mir ganz begeistert davon erzählte. Warum nicht den Selbstversuch wagen? Silvia sieht aus wie das blühende Leben, nicht so abgekämpft und mit schwarzen Augenringen, wie ich. Also lasse ich mir ein paar von diesen kleinen praktischen Portionstütchen schicken, aber erst nachdem ich mich darüber informiert habe, was es mit dem Matcha auf sich hat.

Eigentlich ist Matcha nichts anderes als grüner Tee – der allerfeinsten Sorte. Es werden nur die Spitzen geerntet und der Fermentierungsprozess ist extrem aufwändig, sodass dieser in Japan hergestellte Tee entsprechend kostet. Traditionell wird Matcha bei der Teezeremonie verwendet. Inzwischen wird er nicht nur flüssig, sondern auch im Müsli oder Smoothie und auf Eis genossen. Der schonende Herstellungsprozess führt dazu, dass die Wirkstoffe alle nahezu erhalten bleiben und nicht sofort verpuffen, wie das oft bei den billigeren Varianten passieren kann. Hier gilt also, je teurer, desto reichhaltiger.

Eine Woche lang habe ich den Tee getestet, das giftgrüne Getränk in der Trinkflasche mit mir herumgeschleppt und für erstaunte Blicke gesorgt. Und die Wirkung? Schon nach einem Tag fühlte ich mich wach. Also normal wach, im Sinne von: Nicht-überkandidelt-wach, auch nicht Cola- oder Kaffeewach. Sondern einfach ganz normal und herrlich gesund, wie ich mich früher gefühlt habe. Lange vor der Diagnose. Und lecker ist der Matcha-Tee obendrein. Zumindest der, den ich getestet habe.
Wenn ihr ihn auch probieren möchtet, also den super-spitzen-edel-Matcha, dann wendet euch an Silvia bei body-cleaning.de.