Parkinson Forschung: Wenn das Hirn Purzelbäume schlägt


Gestern habe ich das erste Mal an einer medizinischen Studie zu Parkinson teilgenommen. Ich war aus zwei Gründen äußerst gespannt darauf.
1. Weil es wichtig ist, den Ursachen von Morbus Parkinson auf die Schliche zu kommen. Denn nur durch solche Studien kämen wir einer möglichen Heilung nahe. Vielleicht noch nicht in dieser Generation und auch nicht in der nächsten, aber jede noch so kleine Studie bringt uns einen kleines Stückchen weiter.
2. Ich war neugierig darauf, wie es mir ergehen würde, wenn ich eine Zeit lang auf meine Medikamente verzichte. Denn ich sollte "nüchtern" zum Test kommen.



Aber erstmal musste der Papierkram erledigt werden. Für mich war es interessant, die vielen Fragebögen auszufüllen. Ich musste mich dadurch ganz bewusst damit auseinandersetzen, was diese Erkrankung genau mit mir macht. Ich wurde schließlich auf die Frage zurück geworfen, ob ich bestimmte unangenehme Dinge im Alltag einfach dem Parkinson in die Schuhe schiebe, weil es so schön bequem ist  - wie ein kleines Kind mit seinem unsichtbaren Freund - oder ob es sich tatsächlich um Symptome der Kranheit handelt.

Es war wie eine Checkliste der Symptome ud Nebenwirkungen:
Motorische Einschränkungen? Check
Schlafstörungen? Check
Nächtlicher Heißhunger? Ach, das auch? Interessant.
Spieltrieb, Kaufrausch, Sexsucht? Ein Glück nicht.
Aber die Hobbies. Check
Und, und, und...

Gestern war der Weg zur Klinik ohne die tägliche Medikamentendosis ein Abenteuer. Mein Gehirn schlug Purzelbäume und war gleichzeitig in Watte gepackt. Ich hatte eindeutig Schlagseite. Meine betroffene linke Seite wollte mir nicht mehr so richtig gehorchen und der Tremor ging mir wortwörtlich auf die Nerven. Ok, dachte ich mir, das ist der Beweis, dass ich die Medikamente nicht nur zum Spaß nehme. Beruhigt mich das?

Ich stolperte in die Klinik, bekam einen Anflug von Panik, als ich den Raum nicht fand und lief direkt der sympathischen Dame in die Arme, die mich betreuen sollte. Sie strahlte eine Kompetenz und Ruhe aus, die sich sofort auf mich übertrug.

Die Untersuchung selbst war sehr simpel, aber erstaunlich anstrengend. Ich saß vor einem Bildschirm mit einer sich drehenden Uhr in der Mitte und musste zu bestimmten Aufgabenstellungen mit dem Zeigefinger auf eine Taste drücken.

Ich wurde schnell müde, mir fielen fast die Augen zu, mein Gehirn brauchte bald eine Pause. Die bekam ich auch. "Legen sie sich kurz auf das Sofa, ich wecke Sie in 10 Minuten."  In dem Raum stand ein riesiges einladendes Sofa neben einem Fußballkicker (nicht gerade was man in einer Klinik erwartet). Es war urgemütlich und ich legte mich hin. Nur ein kleines bisschen dösen. Und wurde nach einer halben Stunde von einer freundliche Stimme geweckt. "Sie haben so schön geschlafen, ich konnte Sie nicht früher wecken." Es fühlte sich an, als käme ich aus dem Tiefschlaf.

So sieht also Parkinson-Forschung aus. Das mache ich gerne wieder.






Kommentare

  1. ingrid10.11.16

    Oh den nächtlichen Heißhunger kenne ich auch !!!
    Toll, wie du das Procedere beschreibst, ich fühl mich, als wär ich dabei gewesen :-)

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    1. Hallo Ingrid,
      Vielleicht hast du ja jetzt auch Lust mal teilzunehmen. :-) Den Heißhunger kenne ich gar nicht, muss ich mal beobachten.
      LG

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